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30.09.2026 · The Hunters Club Team

Die Hirschbrunft – wenn der Wald wieder röhrt

Die Hirschbrunft – wenn der Wald wieder röhrt

Es gibt Momente im Jagdjahr, die man nicht erklären muss.

Man muss sie erleben.

Ein kühler Septembermorgen. Nebel liegt über den Wiesen. Der Wald ist noch dunkel – und irgendwo aus einem Graben ertönt plötzlich ein tiefer, langgezogener Ruf.

Kurz darauf antwortet ein zweiter Hirsch.

Dann ein dritter.

Die Hirschbrunft hat begonnen.

Für viele Jäger gehört die Brunft des Rotwildes zu den eindrucksvollsten Wochen des gesamten Jagdjahres. Es geht dabei um weit mehr als die Jagd auf einen starken Hirsch.

Es geht um Beobachtung, Spannung, Erfahrung und um eines der faszinierendsten Naturschauspiele unserer heimischen Wildbahn.

Wann beginnt die Hirschbrunft?

Die Brunft des Rotwildes findet in Mitteleuropa hauptsächlich im September und Oktober statt.

Der Tiroler Jägerverband nennt beispielsweise Mitte September bis Mitte Oktober als Paarungszeit des Rotwildes. Der genaue Verlauf unterscheidet sich jedoch nach Region, Höhenlage und den örtlichen Bedingungen.

In tieferen Lagen kann die Brunft früher einsetzen.

Im Gebirge kann sie sich entsprechend verschieben.

Ende September befinden wir uns damit vielerorts mitten in einer der spannendsten Phasen des Rotwildjahres.

Und plötzlich verändert sich das Verhalten der Hirsche vollkommen.

Warum röhrt der Hirsch?

Das Röhren ist weit mehr als ein beeindruckendes Geräusch.

Es ist Kommunikation.

Der Hirsch signalisiert damit seine Anwesenheit und Stärke. Gleichzeitig dient der Ruf der Auseinandersetzung mit Konkurrenten und spielt im Brunftgeschehen gegenüber dem Kahlwild eine wichtige Rolle.

Besonders eindrucksvoll sind die akustischen Duelle zwischen zwei Hirschen.

Ein Hirsch antwortet.

Der andere kommt näher.

Die Rufe werden intensiver.

Und manchmal entscheidet bereits dieses gegenseitige Imponieren darüber, welcher der beiden zurückweicht.

Reicht das nicht aus, folgen Drohverhalten und gegebenenfalls der körperliche Kampf. Dabei stemmen die Hirsche ihre Geweihe gegeneinander, bis einer nachgibt.

Das Röhren ist damit ein Teil des Kräftemessens – lange bevor sich zwei Hirsche tatsächlich berühren.

Der Platzhirsch

Im Mittelpunkt vieler Brunftplätze steht der sogenannte Platzhirsch.

Er versucht, ein Rudel brunftiger oder potenziell brunftiger Tiere zusammenzuhalten und gleichzeitig andere Hirsche fernzuhalten.

Das kostet enorme Kraft.

Immer wieder muss er Tiere zurücktreiben.

Nebenbuhler beobachten.

Röhren.

Imponieren.

Und gegebenenfalls kämpfen.

Während der Brunft können starke Hirsche deshalb innerhalb weniger Wochen deutlich an Körperkondition verlieren.

Das imposante Erscheinungsbild eines Brunfthirsches täuscht darüber hinweg, welcher körperlichen Belastung er in dieser Zeit ausgesetzt ist.

Beihirsche – immer in der Nähe

Wo sich ein Platzhirsch befindet, sind häufig auch andere Hirsche nicht weit.

Diese Beihirsche halten sich oftmals am Rand des Brunftgeschehens auf.

Sie beobachten.

Sie warten.

Und sie versuchen gelegentlich, einzelne Stücke des Kahlwildrudels zu erreichen.

Gerade für den Jäger ist das interessant.

Denn der Hirsch, den man hört, ist nicht zwangsläufig der einzige Hirsch am Brunftplatz.

Während der Brunft sollte man deshalb nicht nur auf den lautesten Hirsch achten.

Oft bewegt sich im Hintergrund mehr, als zunächst sichtbar ist.

Alte Hirsche klingen anders

Mit zunehmender Erfahrung beginnt ein Jäger Unterschiede zwischen den Rufen verschiedener Hirsche wahrzunehmen.

Die Stimme eines jungen Hirsches kann heller und weniger voluminös wirken.

Ein alter Hirsch kann dagegen einen tiefen, kräftigen und teilweise fast rollenden Ruf entwickeln.

Auch die Deutsche Wildtier Stiftung weist darauf hin, dass ältere Hirsche deutlich anders klingen können als junge Hirsche und ihr Röhren unter günstigen Bedingungen über große Entfernungen wahrnehmbar ist.

Aber Vorsicht:

Die Stimme allein ist keine sichere Altersbestimmung.

Gelände, Entfernung, Wind und individuelle Unterschiede verändern den Klang erheblich.

Ein tiefer Ruf ist deshalb ein Hinweis – aber kein Altersnachweis.

Das Alter eines Brunfthirsches richtig ansprechen

Genau hier beginnt eine der schwierigsten Aufgaben der Rotwildjagd.

Während der Brunft wirkt nahezu jeder Hirsch stärker.

Der Träger erscheint mächtiger.

Die Brunftmähne lässt den Vorderkörper massiver wirken.

Das Verhalten ist selbstbewusster.

Und oftmals bleibt nur wenig Zeit zur Ansprache.

Deshalb sollte niemals ausschließlich nach dem Geweih beurteilt werden.

Bei der Altersansprache spielen unter anderem eine Rolle:

  • Körperbau und Gesamterscheinung

  • Stärke und Haltung des Trägers

  • Haupt- und Körperproportionen

  • Verhalten gegenüber anderen Hirschen

  • Bewegungsablauf

  • Stellung innerhalb des Brunftgeschehens

  • und natürlich das Geweih als ein Merkmal von mehreren

Gerade während der Brunft lautet deshalb eine der wichtigsten Regeln:

Erst ansprechen. Dann entscheiden.

Nicht umgekehrt.

Das Geweih erzählt nicht die ganze Geschichte

Ein großer Fehler besteht darin, automatisch von einem starken Geweih auf einen alten Hirsch zu schließen.

Natürlich verändert sich das Geweih im Laufe eines Hirschlebens.

Doch Genetik, Lebensraum, Ernährung und individuelle Entwicklung spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle.

Ein relativ junger Hirsch kann bereits eindrucksvoll aussehen.

Ein alter Hirsch muss dagegen nicht zwangsläufig die größte Trophäe am Brunftplatz tragen.

Deshalb ist gute Rotwildjagd viel mehr als die Suche nach möglichst vielen Enden.

Es geht darum, das richtige Stück zur richtigen Zeit sicher anzusprechen.

Was bedeutet „ungerader Zwölfender“ oder „gerader Zwölfender“?

Gerade bei der Hirschjagd fällt häufig die Bezeichnung:

Zehnender. Zwölfender. Vierzehnender.

Gezählt werden die Enden des Geweihs.

Hat ein Hirsch beispielsweise auf jeder Stange sechs Enden, spricht man von einem geraden Zwölfender.

Sind die beiden Stangen unterschiedlich – beispielsweise sechs Enden auf einer Seite und fünf auf der anderen – handelt es sich um einen ungeraden Zwölfender, weil bei der jagdlichen Bezeichnung die endenreichere Stange verdoppelt wird.

Doch auch hier gilt:

Die Zahl der Enden sagt allein nur sehr wenig über Alter oder jagdlichen Wert eines Hirsches aus.

Masse, Stangenlänge, Rosen, Kronenbildung und vor allem das Alter des Stückes müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die Brunftjagd ist Beobachtungsjagd

Vielleicht unterscheidet sich die Hirschbrunft genau darin von vielen anderen Jagdarten.

Man hört das Wild häufig, bevor man es sieht.

Der Jäger sitzt im Dunkeln.

Ein Hirsch meldet weit entfernt.

Ein anderer antwortet aus einer Dickung.

Dann verändert sich plötzlich die Richtung.

Äste brechen.

Ein Tier tritt aus.

Noch eines.

Und erst viel später erscheint vielleicht der Hirsch.

Geduld ist während der Hirschbrunft wahrscheinlich wichtiger als Geschwindigkeit.

Wer zu früh seine Position verändert, kann genau den Moment verpassen, auf den er Stunden gewartet hat.

Der Hirschruf – Tradition und jagdliches Können

Eine besondere Form der Brunftjagd ist das Rufen des Hirsches.

Erfahrene Jäger können unterschiedliche Rufe imitieren und versuchen damit, einen Hirsch zur Antwort oder zur Annäherung zu bewegen.

Das verlangt allerdings Erfahrung.

Ein Brunfthirsch unterscheidet sehr genau zwischen unterschiedlichen Situationen.

Der Ruf eines suchenden Hirsches klingt anders als der eines dominanten Platzhirsches.

Deshalb ist der Hirschruf kein einfaches:

„Je lauter, desto besser.“

Er ist vielmehr eine Form der Kommunikation.

Dass dieses Können noch heute gepflegt und vermittelt wird, zeigt beispielsweise der Tiroler Jägerverband, der auch 2026 spezielle Hirschrufseminare angeboten hat.

Nicht jeder Hirsch muss gerufen werden

Gerade während einer gut laufenden Brunft kann Zurückhaltung erfolgreicher sein.

Wenn ein Platzhirsch bereits mehrere Tiere bei sich hat, besteht wenig Grund für ihn, seinen Platz zu verlassen.

Ein aggressiv klingender fremder Hirsch kann ihn interessieren.

Er kann ihn aber ebenso dazu bringen, das Kahlwild stärker zusammenzuhalten oder in eine andere Richtung abzuziehen.

Die Kunst besteht deshalb nicht nur darin, rufen zu können.

Die Kunst besteht darin zu wissen, wann man schweigt.

Wind entscheidet oft mehr als der Ruf

Gerade auf der Brunftjagd ist der Wind entscheidend.

Ein Hirsch kann von seiner Brunftaktivität vollkommen abgelenkt erscheinen.

Seine Nase funktioniert trotzdem.

Dreht der Wind zum Wild, kann eine über Stunden aufgebaute Situation innerhalb weniger Sekunden beendet sein.

Deshalb sollte die Wahl des Standes immer vom Wind bestimmt werden.

Nicht davon, wo man den Hirsch am liebsten sehen würde.

Kalte Nächte und klare Morgen

Viele Jäger verbinden die perfekte Hirschbrunft mit kühlen Septembernächten.

Und tatsächlich lässt sich das Röhren unter ruhigen, kühlen Bedingungen oftmals besonders eindrucksvoll wahrnehmen.

Doch auch hier gibt es keine Garantie.

Rotwild orientiert sein Brunftgeschehen nicht an unserem Jagdkalender.

Warme Perioden können dazu führen, dass sich ein größerer Teil der sichtbaren Aktivität stärker in die Nacht verlagert.

Nach einem Temperatursturz kann das Revier am folgenden Morgen dagegen plötzlich vollkommen anders wirken.

Genau diese Unberechenbarkeit macht die Brunft so besonders.

Schuss oder noch warten?

Vielleicht gibt es kaum eine andere Jagdsituation, in der Geduld so schwierig ist.

Der Hirsch steht.

Die Spannung ist enorm.

Das Röhren hallt noch durch den Wald.

Aber:

Ist er wirklich alt genug?

Ist es tatsächlich der freigegebene Hirsch?

Steht er sauber?

Ist hinter ihm ein weiteres Stück?

Ist der Winkel richtig?

Auch in der emotionalsten Phase des Jagdjahres gelten dieselben Regeln.

Eine Trophäe darf niemals wichtiger werden als ein sicherer, sauberer und waidgerechter Schuss.

Die Brunft endet nicht mit dem Schuss

Gerade bei der Hirschjagd gehören Traditionen für viele Jäger untrennbar dazu.

Die Versorgung des Wildes.

Der letzte Bissen.

Der Bruch.

Die Strecke.

Der Respekt vor dem erlegten Stück.

Diese Traditionen sollten nicht als Folklore verstanden werden.

Sie erinnern uns daran, dass die Jagd nicht mit dem Betätigen des Abzugs endet.

Ein Hirsch, der viele Jahre Teil eines Reviers war, verdient auch nach dem Schuss unseren Respekt.

Das ist für uns ein wesentlicher Teil von Waidgerechtigkeit.

Die Hirschbrunft zeigt uns Rotwild von einer anderen Seite

Den größten Teil des Jahres lebt Rotwild ausgesprochen vorsichtig.

Es reagiert empfindlich auf Störungen und verlagert einen großen Teil seiner Aktivität in störungsarmen Gebieten teilweise in die Nacht.

Während der Brunft verändert sich dieses Verhalten.

Die Hirsche werden hörbar.

Sie werden sichtbarer.

Und für wenige Wochen bekommt der Jäger einen Einblick in eine Welt, die ihm den Rest des Jahres häufig verborgen bleibt.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum die Hirschbrunft so viele Menschen fasziniert.

Man erlebt nicht nur einen Hirsch.

Man erlebt ein ganzes Sozialgefüge.

Rivalität.

Dominanz.

Fortpflanzung.

Erfahrung.

Und das ständige Wechselspiel zwischen Vorsicht und Instinkt.

Unser Fazit

Die Hirschbrunft ist einer der Höhepunkte des Jagdjahres.

Nicht wegen der Größe einer Trophäe.

Nicht wegen der Zahl der Enden.

Und auch nicht ausschließlich wegen des Jagderfolgs.

Sondern wegen des Gesamterlebnisses.

Ein röhrender Hirsch im Morgengrauen.

Der Nebel über einer Waldwiese.

Zwei Rivalen, die sich gegenseitig antworten.

Die Spannung, wenn ein Hirsch langsam aus der Deckung tritt.

Und schließlich die Entscheidung des Jägers:

Ist es der Richtige – oder nicht?

Genau in dieser Entscheidung zeigt sich jagdliches Können.

Beobachten.

Ansprechen.

Warten.

Und manchmal bewusst nicht schießen.

Denn vielleicht ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Hirschbrunft:

Nicht jeder starke Hirsch, den wir sehen, muss auch an diesem Morgen erlegt werden.

Manchmal ist das größte Jagderlebnis schlicht der Moment, ihn wieder im Nebel verschwinden zu sehen.


Wie erlebt ihr die Hirschbrunft 2026?

Ist die Brunft bei euch bereits auf ihrem Höhepunkt?

Welche Erfahrungen habt ihr mit Brunftplätzen, Hirschruf und Altersansprache gemacht?

Und was macht für euch eine wirklich besondere Hirschjagd aus?

Teilt eure Erlebnisse mit der Community von THE HUNTERS CLUB.

Für Menschen, die Jagd leben.
Waidgerecht. Naturverbunden.

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